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Dachau

Wolfgang Benz/ Barbara Distel (Hg.),Der Ort des Terrors. Geschichte der nationalsozialistischen Konzentrationslager
Band 2: Frühe Lager, Dachau, Emslandlager. München 2005
59,90 Euro


Dachau war das einzige frühe Konzentrationslager, das bis zur Befreiung 1945 bestehenblieb. Dieses sogenannte Stammlager, das zahlreiche Außenlager im Umland der Stadt und in München unterhielt, wurde in seiner Struktur und in seinem Aufbau zum Vorbild für zahlreiche andere Konzentrationslager. In Dachau mußten die Häftlinge für die Flugzeugindustrie arbeiten und bei der Montage von Raketen, in Waffen- und Munitionsfabriken, bei der Verlegung der Produktion in unterirdische Fertigungsstätten, in der Landwirtschaft und in Forschungsinstituten Zwangsarbeit leisten.

Zum Wesen nationalsozialistischer Herrschaft gehörte das System des Terrors, das in der Regie der SS ganz Europa mit einem Netz von Konzentrationslagern überzog. Insgesamt existierten 24 Hauptlager mit ungefähr 1000 Außenlagern, in denen Menschen als Regimegegner, als religiöse und kulturelle Minderheit, als „Asoziale“, als Widerstandskämpfer, als „rassisch“ Unerwünschte verfolgt, gequält, als Arbeitssklaven ausgebeutet und vernichtet wurden.
Unmittelbar nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten wurden im gesamten Deutschen Reich Konzentrationslager eingerichtet. Obwohl die meisten der etwa 100 frühen Konzentrationslager nach wenigen Monaten aufgelöst wurden, stellten sie einen wesentlichen Schritt zur Stabilisierung des NS-Regimes dar.
In den frühen nationalsozialistischen Konzentrationslagern wurden die tatsächlichen oder vermeintlichen politischen Gegner des Regimes, vor allem Sozialdemokraten und Kommunisten, inhaftiert und waren der Willkür von SA, SS, Polizei und Hilfspolizei ausgesetzt. Im Sommer 1933 waren mehr als 26 000 Menschen inhaftiert. In den Lagern im Emsland waren die Bedingungen besonders hart. Berühmt und berüchtigt wurden sie durch das Lied „Wir sind die Moorsoldaten“.
Text: C.H.Beck Verlag

Stanislav Zámecník, Das war Dachau (Hg. Stiftung Comité International de Dachau.)Luxemburg 2002
19,- Euro (KZ-Gedenkstätte Dachau)


Die hier vorgelegte erste Gesamtdarstellung der Geschichte des KZ Dachau während der Jahre 1933-1945 entstand im Auftrag der Stiftung des Internationalen Komitees von Dachau. Stanislav Zámecník verbindet in diesem Werk seine Erfahrungen als Häftling des KZ Dachau mit einem halben Jahrhundert wissenschaftlicher Forschung.

Edith Raim, Die Dachauer KZ-Außenkommandos Kaufering und Mühldorf. Rüstungsbauten und Zwangsarbeit im letzten Kriegsjahr 1944/45, Landsberg a. Lech 1992

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Zeitzeugen

Christa und Peter Willmitzer, Deckname "Betti Gerber". Vom Widerstand in Neuhausen zur KZ-Gedenkstätte Dachau. Otto Kohlhofer 1915-1988.
18,- Euro


Otto Kohlhofer, als Arbeiterkind in München geboren und aufgewachsen, begann mit 14 Jahren eine Ausbildung zum Feinmechaniker. Bereits in jungen Jahren politisch engagiert wurde ihm der Abschluss der Lehre verwehrt, nachdem er sich 1933 u.a. aktiv gegen einen Vortrag der Nationalsozialisten an seiner Berufsschule gestellt hatte. Es folgte die Zeit der Illegalität als Mitarbeiter der KPD in Neuhausen. 1935 wurde Kohlhofer verhaftet und 1938, nach zweieinhalb Jahren Zuchthausaufenthalt, ins Konzentrationslager Dachau überstellt, wo er bis 1945 in der Solidargemeinschaft der politischen Häftlinge um das eigene Überleben und das der Mitgefangenen rang. Obwohl es sich um eine Biografie handelt, ist es die Stimme von Otto Kohlhofer selbst, die im vorliegenden Band über weite Strecken Zeugnis ablegt. Zwei umfassende Interviews mit ihm bilden den Kern des Buches, das deshalb einen besonderen Grad von Authentizität erreicht. Kohlhofers beinahe erschütternd nüchterner Bericht wird von den Autoren immer wieder durch die Darstellung der sorgfältig recherchierten historischen Zusammenhänge ergänzt. So entsteht das eindringliche Bild eines individuellen Schicksals, in dem sich gleichzeitig die ganze Dimension des Nazi-Terrors widerspiegelt. Ein besonderes Verdienst dieses Buches ist es jedoch, dass es die Ereignisse über 1945 hinaus aufgreift und damit einen erhellenden Einblick in das Leben und die politischen Konstellationen im Nachkriegsdeutschland gibt. Über alle Hindernisse und Enttäuschungen hinweg blieb Kohlhofer seiner kommunistischen Gesinnung treu, Jahrzehnte lang setzte er sich mit unermüdlichem Engagement für die Errichtung der KZ-Gedenkstätte und die Gründung der Internationalen Jugendbegegnungsstätte in Dachau ein.
Klappentext

Max Mannheimer, Spätes Tagebuch. Theresienstadt - Auschwitz - Warschau - Dachau. Zürich 2000
7,90 Euro


Max Mannheimer hat alles durchlitten, was einem Menschen in dem von den Deutschen entfesselten Inferno zustoßen konnte: Demütigung, Vertreibung, Internierung im Ghetto, Tod fast der ganzen Familie in der Gaskammer, Arbeitslager und KZ, Hunger, Krankheit und Mißhandlung. Wie durch ein Wunder hat er die Hölle überlebt. Nie wieder, so schwor er sich, wollte er zurück nach Deutschland, das Land seiner Peiniger. Doch dann lernte er eine junge Deutsche kennen, die im Widerstand gewesen war, und gründete in München, der ehemaligen Hauptstadt der Bewegung, eine Familie.
Mannheimer sprach nicht über das, was er erlebt hatte. Erst, als er irrtümlich seinen Tod nahen glaubte, entschloß er sich, für die Nachgeborenen das Durchlittene festzuhalten. Heute ist er unermüdlich tätig in Vorträgen, Diskussionen und Führungen durch die KZ-Gedenkstätte Dachau.
Text: Pendo Verlag


Zwi Katz, Von den Ufern der Memel ins Ungewisse
Eine Jugend im Schatten des Holocaust. 2002.
14,90 Euro


Zwi Katz wurde 1927 geboren und wuchs in einer assimilierten jüdischen im litauischen Kaunas auf. Bis zum Einmarsch der sowjetischen Truppen im Herbst 1939 verlebte er eine glückliche Kindheit. Hitler und Stalin hatten 1939 weite Teile Osteuropas untereinander aufgeteilt. Das Baltikum mit den drei bislang unabhängigen Staaten Litauen, Lettland sowie Estland geriet in die Einflusssphäre der Sowjetunion. Für die Juden Litauens begann eine schwere Zeit, besonders in wirtschaftlicher Hinsicht. Im Juni 1941 wurde der so genannte Nichtangriffspakt zwischen Deutschland und der Sowjetunion durch das „Unternehmen Barbarossa“ von deutscher Seite gebrochen. Hitler ließ die Wehrmacht zum Eroberungsfeldzug in den Osten marschieren und Stalins Reich besetzen. Im Baltikum wuchs die Hoffnung auf eine Befreiung vom Joch der Kommunisten. Mit der Besatzung durch die Deutschen setzten sich aber die Zahnräder der Vernichtungsmaschinerie gegen die Juden in Bewegung. Manche Familienmitglieder konnten sich noch rechtzeitig in Sicherheit bringen, doch der dreizehnjährige Zwi blieb mit seinen Eltern und der Schwester im Land. Im Sommer 1941 begannen die Deutschen in litauen ihre Pläne in die Tat umzusetzen. Die Juden wurden aus ihren Häusern vertrieben, ermordet oder in Ghettos gebracht. Zwi Katz schildert die ständige Angst vor Razzien, die Grausamkeiten der Wachmannschaften, die Ermordung von Ghettoeinwohnern. Als das Ghetto geräumt wird, kommt Katz in ein „Arbeitslager“, dass er später als Außenstelle des Konzentrationslagers Dachau identifiziert. Als das Lager im Frühjahr 1945 evakuiert wird, wird auch Zwi Katz auf einen der Todesmärsche geschickt, auf dem er befreit wird. Viele Jahrzehnte schwieg Zwi Katz über sein Schicksal im Dritten Reich. Als „Displaced Person“ in der Nachkriegszeit führte ihn eine monatelange Odyssee nach Israel, wo er im neu gegründeten Staat eine neue Heimat fand. Erst in den neunziger Jahren begann er sich an die Tragödie seines Lebens zu erinnern, so dass er die Überlebensgeschichte eines litauischen Juden der Nachwelt niederschrieb. Seit vielen Jahren engagiert sich Zwi Katz aktiv in der Vereinigung der ehemaligen Dachau-Häftlinge, spricht in Schulen und nimmt regelmäßig an den Gedenkveranstaltungen zum sog. „Todesmarsch“ in den Würmtal-Gemeinden teil.

Solly Ganor, Das andere Leben. Kindheit im Holocaust.
9,90 Euro


Solly ist dreizehn Jahre alt, als die deutschen Truppen im Sommer 1941 in seine Heimatstadt Kaunas/Litauen einfallen. Von einem Tag auf den anderen ist die Kindheit des jüdischen Jungen zu Ende. Er wird mit seiner Familie ins Ghetto getrieben und muß zusehen, wie Freunde und Verwandte bei zahlreichen sogenannten Aktionen der neuen Machthaber zur Vernichtung selektiert oder auf der Stelle ermordet werden. Der Junge lernt zu Überleben und ist doch schon hundertmal gestorben, ehe er nach der Auflösung des Ghettos im Sommer 1944 zunächst ins Lager Stutthof (bei Danzig) und von dort in ein Außenlager des KZ Dachau deportiert wird. Inmitten einer bayerischen Bilderbuchlandschaft, im Lager X (Utting am Ammersee), erfährt Solly am eigenen Leibe, was Nationalsozialisten unter »Vernichtung durch Arbeit« verstehen. Vor den anrückenden Alliierten wird er mit den wenigen noch lebenden Häftlingen auf einem der berüchtigten Todesmärsche in Richtung Alpen getrieben und unterwegs von amerikanischen Soldaten befreit. Es ist die Geschichte eines gejagten Jungen, der fünfzig Jahre lang im Überlebenden Solly Ganor geschwiegen hat und der sich jetzt mit aller Kraft zu Wort meldet: die Stimme aus einem anderen Leben.
Text: Fischer Taschenbuch Verlag


Henny Brenner, Das Lied ist aus. 2005

Als am 13. Februar 1945 der Familie von Henny Brenner die Aufforderung zugeht, sich am 16. des Monats auf einem Sammelplatz in Dresden einzufinden, weiß auch die 20jährige, dass die Deportation bevorsteht. Als Tochter eines Christen und einer Jüdin war sie in einem behüteten Elternhaus groß geworden, aber auch sehr früh mit dem Antisemitismus der Nationalsozialisten konfrontiert - die Familie selbst galt als „gemischt-rassisch, privilegiert“. Mehrmals musste sie die Schule wechseln, der Vater sein Kino aufgeben, sie selbst schließlich den Judenstern tragen: „Bisher konnten wir uns ja sozusagen inkognito bewegen. Nun aber waren wir gezeichnet“.

Bis zum Jahr 1945 war die Zahl der in Dresden lebenden Juden von 6.000 auf nur noch 170 geschrumpft. Unter den Verbliebenen war auch Henny Brenner. Sie wird zur Zwangsarbeit bei Zeiss-Ikon in Dresden abgestellt – bis der Deportationsbescheid eintrifft. Doch das Bombardement auf Dresden rettet ihr das Leben. Am Abend des 13. Februar 1945 werden die ersten Bomben abgeworfen, Henny Brenner rettet sich mit ihrer Familie in einen Schutzraum, der Luftschutzwart lässt sie trotz ihrer Herkunft in den Bunker. Den Judenstern reißt sie ab, versteckt ihn – und überlebt das Bombardement. Sie sieht die brennende Stadt, die Toten und weiß doch „Wir sind frei, wir müssen nicht am 16. Februar zum Sammelplatz“.
Nach dem Angriff versteckt sich die Familie und erlebt schließlich die Befreiung. Heute lebt Henny Brenner in der Oberpfalz. Ihre Erlebnisse hat sie in dem Buch „Das Lied ist aus“ (erschienen bei ddp Goldenbogen, 2005) niedergeschrieben.

Pädagogik

Annette Eberle: Pädagogik und Gedenkkultur. Bildungsarbeit an NS-Gedenkorten zwischen Wissensvermittlung, Opfergedenken und Menschenrechtserziehung. Praxisfelder, Konzepte und Methoden in Bayern ("Pädagogik und Ethik", hgg. v. Eva Matthes, Guido Pollak und Werner Wiater, Bd. 1), Ergon Verlag, Würzburg 2008, 260 Seiten, 34,- Euro, ISBN: 978-3-89913-601-2

Als Band 1 der neuen Reihe "Pädagogik und Ethik" ist im Ergon-Verlag soeben der Titel "Pädagogik und Gedenkkultur. Bildungsarbeit an NS-Gedenkorten zwischen Wissensvermittlung, Opfergedenken und Menschenrechtserziehung. Praxisfelder, Konzepte und Methoden in Bayern" von Annette Eberle erschienen. Bei der Studie handelt es sich um die Überarbeitete Fassung einer vom Augsburger Lehrstuhl für Pädagogik (Prof. Dr. Eva Matthes) betreuten Dissertation, für die die Autorin mit dem Forschungspreis 2007 der Universitätsstiftung Augsburg ausgezeichnet wurde.
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Annette Eberle verfolgt mit ihrer Studie drei Ziele: Zum einen will sie zu einer Klärung des Begriffes "Gedenkstättenpädagogik" beitragen und deren Aufgaben systematisch beschreiben. Zum zweiten geht es ihr darum, auf der Basis der entwickelten Systematik einen detaillierten Einblick in die Gedenkstättenpädagogik in Bayern zu vermitteln sowie deren Entwicklung, Leistungen und Schwierigkeiten zu darzustellen. Auf dieser Grundlage mündet die Studie zum dritten dann in Anregungen für eine konstruktive Weiterentwicklung der Gedenkstättenpädagogik in Bayern.

Die Autorin begrenzt ihre Untersuchungen auf die NS-Zeit und beschäftigt sich primär mit den KZ-Gedenkstätten und den von der Forschung lange vernachlässigten ehemaligen KZ-Außenlagern sowie ihren Verbindungen zu den "Fremdarbeiter"- und Kriegsgefangenenlagern. Der Widerstand gegen das NS-System kommt durch die Vorstellung von Gedenkorten in den Blick, die an die "Weiße Rose" erinnern. Darüber hinaus wird auch das "Erinnern und Gedenken an die Auslöschung jüdischen Lebens in Bayern" aufgegriffen. Entsprechende Gedenkstätten bzw. gedenkpädagogische Projekte sind meist erst in jüngerer Zeit entstanden oder gerade erst in der Fertigstellung begriffen. Schließlich werden in Form der Dokumentationszentren Reichsparteitagsgelände und Obersalzberg auch noch zwei "Täterorte" mit ihren historisch-politischer Bildungsangeboten vorgestellt.

Auf bildungstheoretisch und geschichtsdidaktisch reflektiertem Niveau diskutiert Annette Eberle Zielsetzungen, Inhalte und Methoden einer auf diese Gedenkstätten bezogenen historisch-politischen Bildung. Sie entwickelt dabei überzeugende Kriterien der Kritik, die an die konkreten gedenkstättenpädagogischen Angebote angelegt werden und somit als Leitfaden für künftige Evaluationen dienen können.

Das Buch lässt die einzelnen Gedenkstätten mit ihren Angeboten zur historisch-politischen Bildung plastisch werden und zeichnet ein anschauliches Bild von der Vielfalt entsprechender Angebote in Bayern. Es schließt auf diese Weise Informationslücken, macht weiterhin fundierte Optimierungsvorschläge und zeigt schließlich auch Kooperationsmöglichkeiten und -notwendigkeiten auf, die zu solchen Opitimierungen beitragen können.
Pressetext, Universität Augsburg




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