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Für eine Zeit Dachauer

Zwölf Männer und Frauen, aus zwölf verschiedenen Ländern, mit zwölf unterschiedlichen Biographien – und einer Verbindung: Sie alle wurden während der NS-Herrschaft in das KZ Dachau oder in eines seiner Außenlager verschleppt. Sie alle wurden so „... für eine Zeit Dachauer“. Der Förderverein für Internationale Jugendbegegnung und Gedenkstättenarbeit in Dachau widmet elf Männern und einer Frau, stellvertretend für die über 200.000 Häftlinge, die zwischen 1933 und 1945 im KZ Dachau inhaftiert wurden, eine Ausstellung.

In jedem Monat des Jahres 2005 wurde auf einem Plakat (gestaltet von Bruno Schachtner) ein Portrait, das von Elija Boßler (Kloster Karmel „Hl. Blut“) stammt, abgebildet . Die Plakate werden in der Stadt im öffent-lichen Raum – auf Litfasssäulen, in Schulen und im Jugendgästehaus – ausgestellt. Die zwölf Menschen auf den Plakaten sollen so Teil der Dachauer Öffentlichkeit werden, für jeden sichtbar, jeden Vorbeikommenden zum Nachdenken anregen.

Denn hinter jedem Gesicht steckt ein Schicksal, das es zu entdecken gilt. Wie das von Zygmunt Razniewski, dessen Portrait im Januar zu sehen ist. Als Schüler in Lodz verhaftet, wird er im Mai 1940 nach Dachau deportiert. Im Gegensatz zu insgesamt 7.903 anderen polnischen Häftlingen, die im KZ Dachau und seinen Außenlagern starben, erlebt er die Befreiung im April 1945 und kehrt in sein Heimatland zurück. Bis heute aber kennt er – wie viele andere – den Grund für seine Verhaftung nicht: „Ich weiß bis jetzt nicht, warum ich verhaftet wurde. In meinen Papieren steht, dass es eine Prävention war, bis jetzt steht da „Prävention“. Aber ich habe nie eine Vernehmung gehabt, nie. Niemand fragte mich, warum bin ich da, was habe ich gemacht?“

Oder die Geschichte von Hanna Birnfeld, die, in Jerusalem geboren, mit ihren Eltern als Kind in ihr Heimatland Ungarn zurückkehrt. Im Juni 1944 wird sie in das KZ Auschwitz-Birkenau deportiert und überlebt– gemeinsam mit ihrer Schwester und einer Tante – als einzige ihrer Familie die Selektion an der Rampe. Im August 1944 wird sie in ein Außenlager in Kaufering transportiert. Ende April 1945 wird das Lager geräumt und die Häftlinge auf die so genannten „Todesmärsche“ geschickt. Hanna Birnfeld überlebt die Torturen dieses Marsches und wird am 30. April in Buchberg bei Wolfratshausen befreit: „Wir zogen uns zurück in die Baracke und schwankten still zwischen Angst und Hoffnung. Die Zeit verstrich langsam, es dämmerte schon und plötzlich ein Panzer. Wunder über Wunder, die ersten amerikanischen Soldaten. Sie waren für uns wie Himmelsboten, Boten, die uns das Leben die uns die Freiheit brachten.“




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